Biike – friesische Tradition

Am 21. Februar feiern die Sylter das Biikebrennen, das jüngst in das nationale Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde.

 
Biike in Hörnum auf der Nordseeinsel Sylt in Nordfriesland / Schleswig-Holstein

Dienstag, 21. Februar 2017 

17:45 Uhr

Fackelausgabe am Tourismus-Service Hörnum, Rantumer Str. 20, (Fackel 2,50 €)

18:00 Uhr

Fackelwanderung zum Biikeplatz (am Campingplatz)

18:15 Uhr

Biikebrennen am Campingplatz: Anzünden des Feuers und Ansprachen zur Biike

Danach:

Grünkohlessen in den Hörnumer Restaurants (Tischreservierung dringend empfohlen!)

 
 

Gerade dann, wenn die kalte Jahreszeit die Insel noch fest im Griff hält, geht es auf Sylt heiß her. Weithin leuchtet in der Abenddämmerung der Feuerschein großer Holzstapel. Biike, friesisch Biiki, bedeutet Feuerzeichen und steht für lodernde Flammen und eisiges Wetter, für ausgelassene Geselligkeit und tief verwurzelte Traditionen, für friesische Heimatliebe und ehrliches Zusammengehörigkeitsgefühl.

Immer mehr Gäste kommen eigens zum Biikebrennen auf die Insel und reihen sich in die Fackelzüge ein, die von den Dörfern zu einem der zehn Sylter Biikeplätze führen. Dorfhonoratioren halten dort ihre Reden – traditionell auf Söl’ring, dem Sylter Friesisch, und auf Hochdeutsch. Dann ertönt der Ruf „Tjen di Biiki ön“ und der jeweilige Holzstapel wird gemeinsam mit einer Stoffpuppe, dem Pidder, angezündet. Sie symbolisiert den Winter, dessen Ende nun nicht mehr fern ist. Einmütig werden dann die Strophen des Liedes "Üüs Söl'ring Lön" ("Unser Sylter Land") angestimmt. Wenn die Biiken langsam verglimmen, sitzt man gemütlich zusammen: Kaum eine heimische Küche, kaum ein Restaurant, das an diesem Abend nicht das traditionelle Biike-Gericht auftischt: Grünkohl mit karamelisierten Kartoffeln, dazu Speck, Kassler und Kochwürste. Bis spät in die Nacht sitzt man gemütlich beieinander, man „klönschnackt“ über dies und jenes, und schließlich wird getanzt bis in den nächsten Tag hinein, den so genannten Pidersdai (Petritag).

Die Ursprünge des Biikebrennens liegen im Dunkel der Geschichte. Die ersten Bauern hofften wohl auf eine gute Ernte und die Seeleute auf unfallfreie Rückkehr, indem sie Göttervater Wotan mit dem Opferfeuer gnädig zu stimmen suchten. Ab dem 17. Jahrhundert wurde die Biike zu Ehren der ausziehenden Seefahrer und Walfänger entzündet. Die Lichter sollten den Männern, die für mehrere Monate fernab von der schützenden Insel ihren Lebensunterhalt verdienen mussten, Glück bringen und Mut zusprechen. Möglicherweise wollte man aber auch Piraten vertreiben oder böse Geister oder dem Winter die warme Schulter zeigen. Im 19. Jahrhundert schließlich appellierten die Biiken an das friesische Gemeinschaftsgefühl: Sie sollten die Zusammengehörigkeit der Sylter stärken.

Für alldiejenigen, die sich auf den Nationalfeiertag der Sylter einstimmen möchten, gibt es eine CD mit friesischen Liedern, Tänzen und einem Gedicht.  Die CD „Biiki fan Söl“ kostet zehn Euro und ist direkt beim Herausgeber, dem Sylter Heimatverein „Söl´ring Foriining“ unter info@soelring-foriining.de zu bestellen.

Biikekonzert am 21.2.2017

Das Konzert findet vor dem Biikemarsch in der St. Thomas Kirche um 16:30 Uhr statt. Jürgen Borstelmann und Martina Ressel laden ein. Zu hören sind Texte zu den Themen Sylter Tradition, Biike, Seefahrt und Sylter Sagenwelt sowie eigene Improvisationen und Kompositionen von Jürgen Borstelmann über friesische Lieder.

Benefiz-Getränkeverkauf

Der Getränkeverkauf auf dem Biike-Platz geht zu Gunsten des Küstenschutzes. Mit diesem Geld werden Maßnahmen und Aktionen rund um den Hörnumer Küstenschutz finanziert, die nicht in die Zuständigkeit von Land und Bund fallen.

Üüs Sölring Lön

Beim Biikebrennen wird immer das Sylter Nationallied angestimmt. Wer mitsingen möchte, der findet hier den Text:

Petritag (Piddersdai)

Dem Biikebrennen folgt am 22. Februar der Petritag. An diesem Tag verabschiedeten sich früher die Männer, bevor sie zum Walfang aufbrachen, von ihren Frauen beim fröhlichen Tanz. Die Tanzvergnügen für die Kinder finden nachmittags statt und die Erwachsenen treffen sich am Abend. Für die Kinder gibt es einen zweiten Grund zur Freude, weil am Petritag grundsätzlich schulfrei ist.